Was geschieht, wenn der Papst an Ostern krank wird?

tAMtAM berlin befragt in unsystematischen Abständen die Berliner Kulturschickeria zu einer bedeutenden Unklarheit des Alltags. HEUTE:

WAS GESCHIEHT, WENN DER PAPST AN OSTERN KRANK WIRD?

 

KIM FLOEZE 
Varietékünstler und Gesicht der neuen Kampagne von
ZweiStein Productions 

„Ich schalte an Ostern immer den Fernseher ein und schaue die Gottesdienst-Übertragung aus Rom während wir brunchen. Das erinnert mich an meine Kindheit in Bayern. (Können Sie das Letzte bitte streichen? Ist mir peinlich.) Ich fühle mich dann wie ein Kosmopolit – erst Schrippe in Mitte und die Glocken vom Petersdom, dann zum Feiern ins Berghain.

Die Kleider des Papstes inspirieren mich für meine Shows, die sind so – zeitlos, irgendwie. Klar, sexy ist was anderes, aber die haben so einen gewissen Chic, gerade weil sie so sperrig sind. Sie erinnern mich fast ein bisschen an die Herbst-Kollektion von Valentino aus dem letzten Jahr. Da war schließlich auch Brokat dran.
(…)
Achso, was wäre, wenn der NICHT da sein könnte?
Also ich würde mich exklusiv als Double anbieten. Ich habe Erfahrung mit abgefahrenen Rollen, letztes Jahr zum Beispiel…
(…)
Natürlich würden die ihn doubeln lassen! Wie würde das denn sonst aussehen – das Fest der Auferstehung und der Papst ist krank?“

 

BARBARELLA EISENSCHUH 
Schauspielerin

„Ich verstehe dieses ganze Theater um den Papst überhaupt nicht. Er tut doch in jedem Jahr dasselbe und sieht dabei immer genau gleich aus. Mir fehlt da die Interpretation. Der betet das Immergleiche herunter und lässt sich dafür feiern! Wenn ich das auf der Bühne tun würde, da wäre aber was los.

Und warum sollte es ein Problem sein, wenn er krank wird? Im Fernsehen zeigt man einfach die Übertragung vom letzten Jahr, das merkt sowieso niemand. Seine Predigten sind doch immer genau gleich: Keine Kondome, keine Frauen als Priester, die Kirche als ein Klotz in der Gesellschaft.
Und die Leute in Rom sind so benebelt von der Aura ihrer Pilgerstätte, so weit wie die vom Papst wegstehen könnte man da sicher auch einen Ersatz-Papst hinstellen. Merkt keiner.“

 

FERDINAND SCHRACHER 
Theologe

„Eine Erkrankung des Papstes könnte – argumentiert man mit der Bibel – ein Zeichen Gottes sein. Sie schwächt im ersten Moment, langfristig gesehen stärkt sie ihn aber als Vorbild für die Gläubigen.

Die Bibel erzählt die Geschichte von Hiob (Ijob 1-2:10 & 42:10-17), dessen Glaube einer Prüfung unterzogen wird, indem ihm ohne eigenes Verschulden großes Leid zustößt. Statt jedoch vom Glauben abzufallen, fügt er sich in die Situation, indem er sagt: „Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der HERR hat‘s gegeben, der HERR hat‘s genommen; der Name des HERRN sei gelobt!“ Im Folgenden belohnt Gott Hiob für seine Treue, indem er dessen Güter verdoppelt und seine Familie segnet.
Für den Papst hieße das: Wenn er zu seiner Krankheit stünde, würde er in seiner Macht gestärkt. Denn die Macht ist sicherlich eines des wichtigsten Besitztümer des Papstes.

Doch auch aus rein praktischen Überlegungen wäre es empfehlenswert, eine Erkrankung des Papstes an Ostern nicht zu verheimlichen: Sollte der Schwindel auffliegen, würden erhebliche Zweifel an der Wahrhaftigkeit des Papstes entstehen.
Schwierig dürfte es dennoch sein, einen geeigneten „offiziellen“ Vertreter zu finden. Da der Papst sich standhaft der Frauenordination verweigert, reduziert sich der Kreis von Personen, die für eine Vertretung in Frage kämen, naturgemäß um die Hälfte. Und einen Vertreter unter seinen üblichen Lakaien auszuwählen, scheint nicht ratsam: Würde dieser nicht sofort als möglicher Nachfolger gehandelt?“

 

STEPHAN SUHRBAUR 
Videokünstler

„Ich bin Atheist. Am Papst interessiert mich nur, wie Hierarchien errichtet werden, die nicht einmal ansatzweise rational begründbar sind. Wie kann es sein, dass in unserer aufgeklärten Welt die Funktion einer Person darin besteht, Stellvertreter Gottes auf Erden zu sein? Wir sind hochsensibel was Satire angeht, aber bei diesem größten Witz der Geschichte setzt bei uns der Verstand scheinbar kurzzeitig aus. Und das, obwohl dieser Witz finanziell bislang ziemlich rentabel war! Diese ganzen Feste sind doch nichts als Konsumgeilheit, mit der die breite Masse bei Laune gehalten wird. Früher, indem die Leute zur Abwechslung mal was zu feiern hatten, heute, indem der neue Flatscreen eine Legitimierung bekommt.

An Ostern mache ich deshalb in meiner Straße in Prenzlberg eine Kunstaktion: Ich verkaufe verschiedene Sorten überteuerter Törtchen, alle mit dem Papstemblem verziert. Dann filme ich die Leute, wie sie in den Papst beißen. Es wäre eine Überlegung wert, auch Törtchen mit einem Papst zu verkaufen, der niest. Aber so paranoid wie alle bei Bazillen sind, wird die vermutlich keiner kaufen..“

 

MARIANNE LENZ 
Organistin

„Eine Krankheit des Papstes an Ostern steht für eine der apokalyptischen Posaunen. Der Anfang vom Ende der Welt. Mich würde das nicht überraschen, es ist schließlich das Jahr 2012. Aber wissen Sie, angesichts der Plagen, die noch auf uns zukommen werden, ist eine erkälteter Papst wirklich mein geringstes Problem..“

 

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